Forschungsprojekte Michaela Pelican
Aktuell
Transnationale Beziehungen kamerunischer muslimischer MigrantInnen
Mein neues Forschungsprojekt befasst sich mit muslimischen MigrantInnen
aus Kamerun, die in anderen afrikanischen Ländern (insbesondere Gabon
und Südafrika) und im arabischen Raum (z.B. Dubai) leben. Der Fokus
liegt dabei auf den Erfahrungen der MigrantInnen in ihrer neuen Umwelt
sowie auf ihrem Einfluss auf lokale Vorstellungen zu Identität und
Moderne und auf politische Strategien in Kamerun.
Im Sommer 2007
führte ich vorbereitend mit Kollegen und Studierenden der Universität
Yaoundé eine kurze, vom Schweizerischen Nationalfonds finanzierte
Forschung zu lokalen Perspektiven auf Migration in Kamerun durch. Wie
unsere Untersuchungen belegen, ist internationale Migration ein
brisantes Thema in Kamerun, das sowohl im privaten als auch im
öffentlichen Bereich diskutiert wird. Während viele von einem besseren
Leben in Europa und den USA träumen, werden zunehmend auch andere
afrikanische Länder sowie Destinationen im Nahen und Fernen Osten in
Betracht gezogen. Lange Zeit herrschte in Kamerun ein positives Bild
internationaler Migration vor. Seit kurzem werden jedoch auch kritische
Stimmen laut, die ihre Botschaft über die Medien verbreiten. Weiterhin
hat unsere Forschung gezeigt, dass viele MigrantInnen während ihres
Auslandsaufenthaltes Beziehungen zu Verwandten und FreundInnen in
Kamerun aufrechterhalten und dass ein kontinuierlicher Austausch von
Ideen, Gütern und spiritueller Unterstütztung in beide Richtungen
stattfindet.
![]() | Vier von Hajja Yawuros (links im Bild) Söhnen leben in Südafrika. Sie verwöhnen die Familie mit Geschenken und haben das Haus ihrer Mutter renoviert. Rechts im Bild ist das Haus von Hajjas Mitfrau Balkisa zu sehen. Balkisa hat auch einen Sohn in Südafrika. Er lebt jedoch erst seit kurzem dort und konnte noch keine substantielle Unterstützung an seine Mutter und Geschwister leisten. (Foto: Michaela Pelican, Sabga, 2006) |
Internationale Forschungszusammenarbeit
Universität Yaoundé I, Kamerun (2007): kollaboratives Forschungsprojekt zu "lokale Perspektiven auf transnationale Beziehungen kamerunischer MigrantInnen"
Universität Nagoya, Japan (ab 2009): assoziierte Forscherin zum Projekt "Afro-Eurasian Inner Dry Land Civilizations" unter der Leitung von Prof. Yoshihito Shimada
Abgeschlossen
Interethische Beziehungen im kameruner Grasland
In meiner Dissertationsforschung
beschäftigte ich mich mit der Frage nach Strukturen und Mechanismen,
die ein Zusammenleben verschiedener Bevölkerungsgruppen in einem
kulturell und ethnisch heterogenen Umfeld positiv oder negativ
beeinflussen. Dieser Fragestellung ging ich während 14 Monaten
Feldforschung in der Kleinstadt Misaje im anglophonen Nordwesten
Kameruns (Kameruner Grasland) nach.
Die drei Bevölkerungsgruppen,
deren Zusammenleben im Zentrum meiner Studie stand, sind zum einen
Graslandgruppen, welche die Mehrheit der Lokalbevölkerung stellen und
in erster Linie vom Ackerbau leben; zum anderen Mbororo (agro-pastorale
Fulbe) und Hausa, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in die Region
eingewandert sind und vorwiegend Rinderhaltung bzw. Handel betreiben.
Während die Mitglieder der Graslandgruppen überwiegend Christen und
Anhänger lokaler afrikanischer Religionen sind, bilden Mbororo und
Hausa als Muslime eine religiöse und kulturelle Minderheit. Wie meine
Studie belegt, ist das ethnische Zusammenleben in erster Linie von
einer Bereitschaft zu gegenseitiger Akzeptanz geprägt. Unterschiede in
den Bereichen von Sprache, Religion, sozio-kulturellen Praktiken und
Wirtschaftsform sind vorwiegend positiv besetzt und werden eher als
komplementär denn problematisch wahrgenommen. Diese Herangehensweise
wird auch von Vertretern des Staates unterstützt, die bestrebt sind,
Kameruns kulturelle und ethnische Vielfalt zu zelebrieren und
konservieren. Dennoch kommt es regelmäßig zu Auseinandersetzungen
zwischen Individuen und Gruppen, die sich meist in Form von
Landstreitigkeiten, Übergriffen auf Besitztümer oder
Hexereianschuldigungen äussern. Obwohl ihre Ursachen meist in
ökonomischen und politischen Rivalitäten liegen, werden solche
Konflikte oft als ethnische wahrgenommen. Zu ihrer Lösung bedienen sich
die Konfliktparteien einer Vielfalt politischer und rechtlicher
Instanzen, die auf lokaler oder staatlicher und sogar auf
internationaler Ebene angesiedelt sind. So versuchen die Mbororo
zunehmend, ihre Bürger- und Landrechte mithilfe internationaler
Entwicklungs- und Menschenrechtsorganisationen gegenüber dem
kamerunischen Staat einzufordern. Die Analyse der Auswirkungen solcher
politisch-rechtlicher Strategien auf das lokale Zusammenleben ist auch
weiterhin Teil meiner Forschung.
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Mbororo-Frauen nehmen am Nationalfeiertag an der Parade teil. Hinter ihnen folgt die Gewerkschaft der Taxifahrer. (Foto: Michaela Pelican, Misaje, 2001) |


