Bernal, Robert

Museumsgeschichte: Theoretische Ansätze

Übungen

Do 8-9.45

Thematisch schliesst die Veranstaltung an das von Professor Oppitz im vergangenen Semester abgehaltene Seminar mit dem Titel «Geschichte und Zukunft ethnographischer Museen» an. Das zeitliche Spektrum wird jedoch eingeengt, und zwar steht die Zeit seit dem 19. Jahrhundert im Zentrum. Vor rund 150 Jahren wurden bedeutende Privatsammlungen in völkerkundliche Museen im nationalen Besitz umgewandelt. Seither machen Universität, Politik und Öffentlichkeit Ansprüche auf das Museum geltend und versuchen, die Aufgaben des Museums gemäss ihren spezifischen Interessen mitzubestimmen.

Mit der Etablierung der akademischen Ethnologie an den Universitäten zu Beginn des 20. Jahrhunderts ging eine Trennung der beiden Schwesterninstitute, Museum und Universität, einher. Die Separation von universitärer und museumsbezogener Ethnologie führte allmählich zu einem regelrechten Schisma zweier Arten von Wissenschaftspraxis. Diese Trennung wird oft anhand theoretischer und methodischer Kritik begründetet, aber auch ganz persönliche und oft unreflektierte Vorstellungen führen zu stereotypen Annahmen hinsichtlich der Sachkulturforschung innerhalb der Ethnologie. Auf welchen methodologischen, theoretischen und persönlichen Überzeugungen basierend formulierten die jeweiligen Wissenschaftler ihre Kritik am wissenschaftstheoretischen Umgang mit Artefakten? Welche Folgen hatte die Trennung der beiden Institutionen für die Fachdisziplin? Kann diese künstliche Teilung durch verbesserte Zusammenarbeit zwischen Museum und Universität überwunden werden? Welche strukturellen, theoretischen, methodischen, aber auch politischen Voraussetzungen wären dazu notwendig?

Durch fundierte Kenntnis der Fachgeschichte kann das aktuelle, aber ebenso auch das eigene wissenschaftliche Schaffen besser eingeordnet werden. Neben einem theoretischen soll jedoch auch ein politisches Bewusstsein den Blick auf das Studium der Ethnologie schärfen. Daher interessieren wir uns nicht nur für die Kritik postmoderner Autoren an ethnographischen Museumsmethoden, sondern blicken auch auf den Einfluss von ausserhalb der Akademie. Die Sammlungs- und Ausstellungspraxis wird nicht nur durch die Wissenschaft selbst geprägt, sondern wesentlich von Politik und Öffentlichkeit mitgestaltet. Das hat einerseits damit zu tun, dass die Politik als Finanzgeberin die Museumsarbeit stark nach eigenen Vorstellungen zu lenken versucht und andererseits die Öffentlichkeit immer mehr ihr Mitspracherecht geltend zu machen sucht.

Eine der wohl spannendsten Erkenntnisse, die diese Veranstaltung aufzeigen möchte, ist, dass heute von namhaften Autoren im Themenkreis der Globalisierung erneut dazu aufgefordert wird, die Bewegung von Dingen im Raum zu studieren. Ein nicht ganz neuer Ansatz, wenn man bedenkt, dass der Diffusionismus (entwickelt an ethnographischen Museen) dies bereits um 1900 gefordert hatte.


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