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Pelican, M.
Ethnizität und Staat in Afrika
Proseminar
Mi 14-15.45
Das Proseminar beschäftigt sich kritisch mit Ethnizität als einer Form sozialer Identität in Afrika. Der Begriff hat in der Ethnologie seit den 1960er-Jahren an Bedeutung gewonnen und die problematisch gewordenen Termini tribe, Rasse, Stamm ersetzt. Ethnizität ist eine vielschichtige Kategorie, die auf kollektive Identitäten sowie auf Beziehungen zwischen ethnischen Gruppen (Ethnien) verweist. Ethnische Zugehörigkeit wird meist über eine Kombination verschiedener Kriterien definiert, zu denen gemeinsame Abstammung, Geschichte, Sprache, Kultur, Religion und ökonomische Tätigkeiten gehören. Ein wichtiger Faktor für die Gestaltung ethnischer Identitäten und interethnischer Beziehungen ist der Staat. So tendierten europäische Kolonialregierungen dazu, die afrikanische Bevölkerung nach Ethnien (Stämmen) anzuordnen. In der postkolonialen Periode hingegen wurde Wert gelegt auf die Ausbildung nationaler Identitäten, während Ethnizität mit ‚Tribalismus’ gleichgesetzt wurde. Im Kontext liberaler Veränderungen der letzten Jahrzehnte hat Ethnizität erneut an Bedeutung gewonnen und wird von vielen Akteuren als Aufhänger benutzt, um politische und ökonomische Vorteile für die eigene Gruppe einzufordern.
Im ersten Teil des Proseminars werden wir uns mit der Ideengeschichte von Ethnizität und Staat in Afrika befassen. Anhand von Überblicksliteratur und klassischen Texten werden wir verschiedene Ansätze diskutieren. Im zweiten Teil des Proseminars werden wir uns auf Fallstudien konzentrieren und folgende Themenbereiche behandeln: emische Konzepte von Person und Identität, Ethnizität im Alltag, situative Ethnizität und ethnischer Wandel, Ethnizität und Demokratisierung, Minderheitendiskurse und kosmopolitische Identität, ethnisierte Konflikte.
Von den Studierenden werden Diskussionsfreudigkeit und aufmerksame Lektüre erwartet. Eine Übersicht über die Pflichtlektüre und Referatsthemen wird zu Beginn des Semesters abgegeben.
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