| Tobias Haller
Legal Pluralism and Common Pool Resource Management Proseminar Mo 16.15-18 Die Debatte um die Tragödie der Allmende (tragedy of the commons) ist integraler Bestandteil in der Diskussion über die Verwaltung von Kollektivressourcen (common pool resources) wie Fischerei, Wildtierbestände, Weidegebiete, Wasser und Wälder. Die Ethnologie hat dazu beigetragen, dass Kollektivressourcen nicht mit Ressourcen, die allen offen stehen, verwechselt werden können, wie dies durch das Konzept der Tragödie der Allmende suggeriert wird (Acheson 1989). Viele Autoren halten fest, dass Kollektivressourcen oft in der Form von Kollektivressourcenrechten (common property regimes) verwaltet werden (sehe Feeney et al 1990, Ostrom 1990, Becker and Ostrom 1995, Ostrom et al 2002). Diese lokalen Regimes enthalten Gesetze, Regeln, Werte und Normen, welche als Institutionen zusammengefasst werden und zu einer nachhaltigen Ressourcennutzung beitragen (siehe auch Haller 2002 a, b). Seit der Kolonialzeit wurden solche traditionellen Institutionen zur Kollektivressourcennutzung in Afrika, Asien, Ozeanien und Lateinamerika einem starken Wandel unterzogen, oder sie wurden ganz abgeschafft, da der Staat die Entscheidungsgewalt über die Kollektivressourcen beanspruchte und diese auch zu verwalten vorgibt. Dabei ergaben sich drei Probleme: Erstens erfassen die staatlichen Gesetze die komplexen Ökosysteme schlecht, da sie einerseits über ein zu geringes Wissen verfügen und andererseits das lokale Wissen nicht mit einbeziehen. Zweitens haben diese Staaten oft nicht die nötigen finanziellen Mittel, um beispielsweise Überwachung zu gewährleisten und Sanktionierung von Regelverletzungen zu ahnden. Und drittens wird durch das Regime des Staatseigentums der lokalen Bevölkerung die Vorstellung genommen, es handle sich um ihre Ressource zu der sie auch Sorge zu tragen haben. Viel schlimmer noch, unter der Bedingung der ineffektiven Staatsregimes entsteht ein offener Zugang zu den Ressourcen, da die alten Institutionen nicht mehr funktionieren und die staatlichen Regelungen nicht greifen können. Dabei bedienen sich Immigranten oft der Ideologie dass sie als Staatsbürger das Recht auf die staatlich geregelten Ressourcen haben, ohne sich aber an die Regeln des Staates, der nicht präsent ist, halten zu müssen (Haller und Merten 2006). Oder Administratoren nutzen und tolerieren lokale Regeln und interpretieren staatliche Regeln zu ihrem Nutzen, um Einkünfte zu generieren (Fay 2000, Fokou und Landolt 2005 in Haller ed 2005). Diesen Ansatz gilt es zu differenzieren, denn die staatlichen Regeln und Gesetze sowie auch ein Teil der traditionellen Regeln bestehen oft weiterhin und bilden ein komplexes Nebeneinander von institutionellen Konzepten (eine Art legaler Pluralismus), welche von den Akteuren, sei dies die Lokalbevölkerung, immigrierte Ressurcennutzer und Administratoren verwendet, transformiert und strategisch eingesetzt werden können. Es besteht demnach eine Ko-Existenz und eine Interaktion zwischen multiplen legalen Institutionen wie staatliches, traditionelles, religiöses und lokales Recht aufgrund welchen Akteure versuchen können einen „legalen“ Anspruch auf Ressourcen zu erheben (Meinzen-Dick and Pradhan 2002, Benda-Beckmann, von F. 2002). Diese Art von „forum shopping“ (Benda-Beckmann von F. 1984) kann in Konfliktfällen zur Folge haben, dass eine Unsicherheit betreffend dem Management von Kollektivressourcen besteht und unklar ist, wer für was zuständig ist (ibid, Meizen-Dick and Pradhan 2002). Wir werden deshalb anhand verschiedener Beispiele aus Afrika, Lateinamerika, Asien und Ozeanien diskutieren, welche Akteure unter welchen Bedingungen bei der Nutzung von Kollektivressourcen welche Konzepte ideologisch nutzen, um ihre Ansprüche geltend machen zu können und wir werden uns mit der Frage beschäftigen, welche Auswirkungen dies auf die Kollektivressourcen hat. Diese Veranstaltung richtet sich an alle Studierende, welche die Einführung besucht und den dort behandelten Teilbereich Ökologie und Wirtschaft bestanden haben. Ich empfehle ebenfalls allen Studierenden die Teilnahme an der Vorlesung von Gerhard Anders: Grundlagen der Rechtsethnologie. Eine Literaturliste zur Veranstaltung wird zu Beginn des Semesters vorliegen. Literatur: Acheson, James A.1989. economic anthropology and the management of common property resources. In Plattner St (ed). Economic Anthropology. Stanford University Press: Stanford. Pp. 351-378). Becker, Dustin, C. and Elinor Ostrom,.1995. Human Ecology and Resource Sustainability: The Importance of Institutional Diversity. Annu. Rev. Ecol. Syst.1995. No. 26:113-33. Benda-Beckmann, von K. 1984. The broken stairs to consensus: Village justice and state courts in Manangkabau. Dordrecht. The Netherlands. Foris. Benda-Beckmann, von F. 2002. Who is afraid of legal pluralism?. Paper presented at the XIIIth Conference of the Commission on Folk Law and Legal Pluralism, Chianmei, Thailand. Fay, Claude. 2000. Des poissons et des hommes: pêcheurs, chercheurs et administrateurs face à la pêche au Maasina (Mali). In: Les pêches piroguières en Afrique de l’Ouest. J.-P. Chauveau et al. Hrsg. Paris: CMI, IRD, Karthala. pp. 125-166. Feeney et al. 1990. The tragedy of the commons: Twenty-two years later. Human Ecology 18:1-19. Haller, Tobias. 2002a. Common Property Resource Management, Institutional Change and Conflicts in African Floodplain Wetlands: Presentation of a research project and reflections on institutional change and conflicts. The African Anthropologist, Vol. 9, No.1, March 2002:25-35. Haller, Tobias. 2002b. The Understanding of Institutions and their link to resource management from a New Institutionalism Perspective. Working Paper No.1, IP 6 Institutional Change and Livelihood Strategies. Haller, Tobias 2005. ed: African Floodplain Wetlands Project, in The Common Property Resource Digest. Quarterly publication of the international association for the study of common property,. Quarterly Publication of the International Association for the Study of Common Property (IASCP). Bloomington, Indiana: Indiana University Issue No 74 Haller, Tobias und Merten Sonja. 2006. „No capital needed!“ De facto open access to Common Pool Resources, Poverty and Conservation in the Kafue Flats, Zambia. Policy Matters.No.14. IUCN: Gland, Switzerland.pp. 103-113. Meinzen-Dick, Ruth and Pradhan, Rajendra. 2002. Legal Pluralism and Dynamic Property Rights. CAPRi-Working Paper no. 22. IFPRI. Washington. Ostrom, Elinor. 1990. Governing the Commons. The Evolution of Institutions for Collective Action. Cambridge: Cambridge University Press. Ostrom, Elinor et. al. 2002. The Drama of the Commons, National Research Council, Washington D.C.: National Academy Press. |
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